In diesem Blog berichte ich von meinen Segelreisen der letzten Jahre.
Andere kleine und größere Ausflüge und Reisen findet ihr in dem Blog "Pitter unterwegs.blogspot.de"
Und hier eine kurze Beschreibung aus Eintragungen des Logbuches:
Der Törn letztes Jahr mit den Sunshine Kids hat mir
so gut gefallen, dass es keine Frage war, ob ich das nochmal wiederhole oder
nicht. Ich konnte auch Ulla von dem Projekt überzeugen und so nahm sie
ebenfalls an dieser Flottille teil – als Betreuerin auf der Miles & More.
Es waren uns 2 Jungs von 16 Jahren angekündigt
worden, die eine Auszeit von ihrem nicht immer einfachen Alltag bekommen
sollten. Ulla und ich, wir waren beide gespannt auf unsere Gäste.
5.6.2014 – Donnerstag
Auf der Fahrt von Warns nach Lemmer begleiten uns
immer wieder heftige Regengüsse und peitschender Wind. Nachdem der Regen bei
der Durchfahrt durch Lemmer kurz aufhört legen wir um 17.50 h wieder bei
heftigen Regenböen im Charterhafen von Thinius an. Einige Schiffe für die
Sunshine-Flotte sind schon da. Leider wird aus dem geplanten Grillen mit den
anderen Skippern bei diesem Wetter nichts. Also macht Ulla das Grillfleisch in der
Pfanne. Dazu gibt’s Möhren.
6.6.2014 – Freitag
Nach dem Frühstück helfen wir, den Proviant, der
bereits in einer der Hallen angeliefert wurde, für 21 Schiffe bereitzustellen.
Dieser wird dann im Laufe des Tages mit dem Dinghi zu den bereits
eingetroffenen Schiffen gebracht. Danach heisst es WARTEN! Warten auf die Kids,
die sich mit dem Bus aus Sprockhövel schon einige Stunden durch den Pfingstverkehr
quälen müssen. Es wird fast 20 h bis sie endlich eintreffen. Dann werden die
Kids erstmal auf die bereitstehenden Schiffe verteilt. Jeder Skipper und auch
die betreffenden Betreuer auf den Schiffen sind schon gespannt auf die Kids.
Danach gibt es ein fantastisches Barbecue für alle. Gott sei Dank, denn allen
hängt der Magen schon in den Kniekehlen!
Die beiden Jungs, die für uns vorgesehen waren, sind
kurzfristig abgesprungen, so bekommen wir zwei 13-jährige Mädels, die sich
beide jedoch noch nicht kennen. Die Annäherung der beiden gestaltet sich noch
etwas schwierig, da eine bereits eine Freundin auf einem anderen Schiff
gefunden hat. Da das andere Mädel – Natascha - von ihrer Mutter zusammen mit
der Zwillingsschwester – Alexandra - gebracht wurde, wird schnell geklärt und
von Gaby entschieden, das auch sie bei uns mitfahren darf. So sind aus den
beiden uns avisierten 16-jährigen Jungs zwei 13-jährige Zwillingsschwestern
geworden.
7.6.2014 – Samstag
Die Crew der Miles & More hat gut geschlafen –
was jedoch nicht heissen muss, dass sie um 8.00 h ausgeschlafen ist. Egal, um
8.30 h wird im Sonnenschein gefrühstückt, denn um 9.00 h ist Skipperbesprechung
mit einem kurzen Briefing über Kurs, Besonderheiten, Kommunikation unterwegs
per Funk etc. Auch fehlende Sicherheitswesten werden noch für die Kids
verteilt. Und nicht zuletzt hisst jedes Schiff die blaue Sunshine-Flagge. Um
10.30 h legen wir alle nacheinander ab. Der Wind weht mit leichten 2-3 bft. aus
Ost, was uns eine achterliche Brise unter Genua beschert. So segeln wir 4 Std.
gemütlich mit Kurs Enkhuizen. Unsere beiden Girls sind sehr ruhig und
beschäftigen sich mit „Stadt, Land, Fluss“ oder Lesen. Mittags macht Ulla
Hamburger, die auch gerne von der Crew vertilgt werden.
In Enkhuizen sind Liegeplätze für uns im alten Hafen
reserviert. Da alle unsere Schiffe mit der blauen Sunshine-Flagge geschmückt
sind, werden wir vom Hafenmeister schnell durch die Brücke gewunken. Der
Nachmittag und Abend stehen zur freien Verfügung. Viele Kids haben Spaß mit
Dinghi-Fahren oder mit einem der beiden Banana-Boats. Und was machen meine drei
Mädels?? Ratet mal!! Richtig!!! Sie gehen in die Stadt shoppen!
Zum Abendessen gibt es Spaghetti und Gurkensalat,
danach noch einen Rundgang durch die Stadt bevor wir auf dem Schiff noch eine
Runde „Mensch ärgere dich nicht“ spielen. Dann geht’s ins Bett.
8.6.2014 – Sonntag
Während die braven Bürger Enkhuizens um 10.00 h mit
Glockengeläut in die Kirche gerufen werden, nehmen wir dies als Startsignal zum
Ablegen. Der Himmel ist zwar bewölkt aber es regnet nicht. Bei 2-3 Windstärken
aus N-NW setzen wir nach der Hafenausfahrt zunächst die Segel und versuchen
hoch am Wind den Kurs nach Makkum anzulegen.
Doch nach ca. 1 Std. ist der Wind
eingeschlafen und es fängt an zu regnen.
Also: Motor an und Segel wieder eingeholt. Die Mädels sitzen unten und lesen
oder schlafen. Zu Mittag macht Ulla Nudelsalat aus den vom Vorabend übrig
gebliebenen Nudeln. Um 13.00 h haben wir Stavoren querab und der Himmel beginnt
wieder aufzureißen. So erreichen wir bei Sonnenschein um 15.30 h Makkum wo wir
in 4er und 5er Päckchen an der Kade festmachen. Danach gehen die Kids an den
Strand. Wer nicht Fussball spielen möchte beteiligt sich an anderen
Strandspielen. Am Abend holen einige Skipper ihre Grills raus und es wird
gegrillt: Würstchen und Leberkäs. Dazu gibt es verschiedene Salate. Jürgen von
der Mabea unterhält uns wieder vorzüglich mit seinem Schifferklavier.
9.6.2014 – Montag
Der Wetterbericht verspricht Wind 1-3 aus N-NE. Das
passt gut für unseren kurzen Schlag nach Hindeloopen. Noch im Kanal setzten wir
Groß und Genua und rauschen mit Kurs Süd die 14 sm unserem Zielort entgegen.
Hier können wir noch nicht sofort in den Hafen. Zuerst muss Dirk mit der LADY
SUNSHINE rein und dann allen anderen Schiffen einen Liegeplatz zuweisen, da der
Hafen sehr klein ist und eng wird. Auch hier liegen wir wieder in dicken
Päckchen. Zu allem Überfluss fällt mir unterwegs das Funkgerät aus der Hand und
beschädigt das Display. Aber es funktioniert noch, nur kann ich nicht mehr
sehen, welcher Kanal eingestellt ist.
Nach der Ankunft verbringen wir den Nachmittag mit
Faulenzen, klönen mit diesem und jenem und sorgen unter der Dusche mal wieder
für die eigene Hygiene und Sauberkeit. Leider muss das geplante Geo-Caching
ausfallen, da die Straßen wegen eines großen Radrennens gesperrt sind.
Am Abend ist das Lokal De Foekke für uns reserviert.
Hier gibt es für alle leckere Currywurst mit Brot und Krautsalat. Danach spielt
die am Nachmittag eingetroffene Band „COLORADOS“ in einem Super-Sound Hits aus
unserer Jugend aus den 60‘, 70‘, 80‘. Die Erwachsenen haben einen Mords-Spaß,
für die Kids stimmt die Musikrichtung leider nicht so ganz.
Um 23.00 h meldet dann auch mein Tinnitus: GENUG!
Ich solle dann leisere Umgebung aufsuchen.
Um Mitternacht kommen unsere Girls auch aufs Boot
und wir gehen schlafen.
10.6.2014 – Dienstag
Der Wind soll heute aus SW kommen, natürlich genau
aus der Richtung wo wir hinwollen. Also entscheiden wir uns, nicht übers
Ijsselmeer nach Lemmer zu motoren, sondern über die Kanäle
Frieslands. Das ist
dann auch eine Abwechslung für unsere Girls. In der Schleuse in Workum packen
sie mit an und geben auch das Schleusengeld in Sloten und Lemmer in den vom
Brückenwärter an einer Angel heruntergelassenen Holzschuh. Kaum in Lemmer
angekommen ist auch die Mutter unserer Mädchen schon zur Abholung da. Auch der
Bus aus Sprockhövel ist pünktlich. Gemeinsam von allen Skippern und Betreuern
werden alle Kids verabschiedet.
Danach ruft uns die Pflicht: das Schiff muss mal
wieder gereinigt werden, Ulla innen, ich aussen. Nach dem Duschen treffen wir
uns am Abend im Beach-Pavillion mit der Crew der Sunrise und Easy zum Essen.
Auf dem Rückweg machen wir einen Schlenker durch die Stadt und nehmen auf der PRINCESS
noch ein Gute-Nacht-Bier. Alles neue nette Segelfreunde, die wir in den letzten
Tagen kennengelernt haben.
Wir sind uns alle einig: Es war für alle ein tolles
Ereignis und hat viel Spaß gemacht. Zum einen in einer so großen Flottille
mitzufahren, zum anderen die Gemeinsamkeit mit den Crews der verschiedenen
Schiffe. Und entsprechend dem Namen des Vereins SUNSHINE4KIDS hat uns auch die
Sonne jeden Tag begleitet.
Dieses Jahr ist ein Törn mit Mischa geplant. Da wir beide
eine ganze Woche Zeit haben, möchten wir diese auch nutzen und etwas weitere
Ziele ansteuern. Folgende Ziele sind angedacht, je nach Wetter, Wind, Lust und
Laune:
- Von Stavoren aus nach Makkum, dann weiter nach Vlieland.
- Ab hier dann entweder nach Texel und wieder zurück über Den Oever
- oder
Kornwerderzand zurück ins Ijsselmeer
- oder aber von Texel sogar weiter auf der Nordsee nach Ijmuiden, hier in den
Nordzeekanal über Amsterdam zurück ins Markermeer und Ijsselmeer.
- Sollte uns ab Vlieland das Wetter ganz falsch kommen geht es wieder zurück über
Harlingen, Kornwerderzand ins Ijsselmeer.
Um es vorweg zu nehmen: es kam ganz falsch!
Zeit: von Sonntag 4.5.14 bis Samstag 10.5.14
Törndauer steht fest, Speiseplan für diese Woche ist auch zu
Papier gebracht und die entsprechenden Lebensmittel eingekauft.
Speiseplan:
MittagsAbends
Tag 1Ölsardinen
pikant mit BrotNudeln mit
Bolognese Tomatensalat
Tag 2Salat mit
Thunfisch, Mais,Heringstipp mit
Bratkartoffeln Tomaten
Tag 3Würstchen mit
KartoffelsalatPizza belegt mit
Zwiebeln, Oliven Salami
und Thunfisch
Tag 4Rührei
mit FleischwurstMaultaschen
gebraten mit Zwiebeln und Ei dazu
Salat
Tag 5Rest
KartoffelsalatSchupfnudeln
mit Sauerkraut und Salami am
Stück, KäsewürfelMettwürste
Tag 6 Appelgebak
und KaffeeAbschiedsessen
in der Pyramide
Als Getränk steht zur Verfügung: span. Weine, weiss (BASA),
rot (Cabernet Sauvignon),
rosé (MAS DONIS), Bier (HEINEKEN) und Wasser (iggitt…!)
Zum Apertif empfehle ich: Gin Tonic, Ramazotti, Lillet oder
Bier.
Als Degistif wäre ein Oude Genever oder Grappa angebracht.
Am Samstagabend vor der Abfahrt wurde noch der Wetterbericht
für die kommende Woche aus dem Internet gezogen. Dieser verspricht uns eine
recht komfortable Woche, besonders in der ersten Wochenhälfte.
SONNTAG, 4.5.2014Warns -> Makkum
Wetterbericht: Wind aus West mit 1-2 bft., bewölkt,
teilweise sonnig
Um 10.00 h erreichen wir bei teils bewölktem Himmel unseren
Liegeplatz in Warns. Nachdem unsere Sachen und Verpflegung verstaut sind, ein
kurzer Schnack mit dem Hafenmeister und das aktuelle Wetter geholt ist starten
wir um 11.20 h. Um 12.00 h ist die Schleuse ins Ijsselmeer passiert und wir
setzen bei sehr schwachem Westwind das Großsegel und die Genua. Micha übernimmt
begeistert das Ruder und nimmt Kurs genau NORD = 360°, Ziel Makkum. Mit
gemütlichem „Kaffeesegeln“, teilweise heiter, teilweise bewölkt, erreichen wir
um 16.00 h die Ansteuerungstonne von Kornwerderzand. Diese erfüllt gleichzeitig
auch ihre Funktion für die Ansteuerung nach Makkum. Von hier geht esg a a a n zl a n g s a m nur mit der Genua
und weiterhin 8 – 10 kn leichtem Wind durch den Kanal in den Stadthafen von
Makkum.
Um 17.00 h machen fest und starten einen kleinen Rundgang durch den
Ort.
Wikipedia schreibt: Im Mittelalter wurde Makkum das „Tor zur Zuiderzee“ genannt. Das einst verschlafene Fischerdorf gedieh damals zu einem
bedeutenden Handelszentrum mit einer Blütezeit im Goldenen
Zeitalter des 17. und 18. Jahrhunderts. Im Laufe des 19. Jahrhunderts nahm die
Bedeutung Makkums als Handelsstadt wieder ab, doch blieb es bekannt für seinen
Schiffbau und die Herstellung von Waren aus Steingut, wie die berühmten blauweißen DelfterFliesen. Im 20. Jahrhundert ermöglichte der Bau des Abschlussdeiches eine
Verbesserung der Infrastruktur für Makkum. Heute ist die „Koninklijke
Tichelaar Makkum“ als älteste Steingutfabrik der Niederlande ein beliebtes
Ausflugsziel.
Nachdem
wir uns so die Beine ein wenig vertreten haben mchen wir uns an die
Vorbereitung zum Abendessen (siehe oben). Der Verdauungsschnaps hilft die
Unmengen von Nudeln und Bolognese im Magen zu verteilen und danach bekommt
Mischa eine kleine Einführung in Navigation.
Zurückgelegte
Seemeilen: 18
Motorstunden:1
MONTAG, 5.5.2014Makkum -> Vlieland
Wetterbericht: Wind aus S-SW, Stärke 2-4, später aus S mit
3-4 bft. abnehmend 2-3
Bevor es aufs Wattenmeer hinausgeht tanken wir nochmal voll.
Wir nehmen 16 ltr. Diesel auf. Seit dem letzten Tanken hat der Motor 33 ltr.
Verbraucht bei 18 Motorstd. Und einige Std. Heizung (die ebenfalls aus dem
Dieseltank ihre Energie bekommt.) Das entspricht einem Verbrauch von 1,8 ltr. /
h und macht mich zufrieden.
Als wir auf die Schleuse Kornwerderzand zufahren ist das Tor
bereits geöffnet und wir können sofort einfahren. Um 11.00 h sind wir auf der
Waddenzee und damit im Salzwasser und tidenabhängig, eigentlich fast 2 Stunden
zu früh. Um 14.00 h ist in Harlingen Hochwasser. Dann sollten wir dort sein, um
dann mit ablaufendem Wasser nach Vlieland zu gelangen. Bei Südwind zieht uns
die Genua in gut 1 Std. nach Harlingen. Wie gesagt: viel zu früh. Trotzdem
setzen wir hier das Großsegel dazu und nehmen Kurs auf Vlieland. Mischa und ich
wechseln uns mit dem Steuern ab. Der Wind bläst moderat mit 3-4 bft. Im
Vliestrom experimentieren wir mit den Segeln, da nun der Wind genau von achtern
kommt – mal das Groß auf die Backbordseite, mal auf die Steuerbordseite und die
Genua entsprechend entgegengesetzt. Schließlich holen wir das Groß ein und
segeln nur mit der Genua und schiebendem Ebbstrom mit bis zu 9 kn über Grund
gen Vlieland. Vor der Hafeneinfahrt setzt der Strom mit gut 3 kn von West nach
Ost und ich muß den Bug gut 30° vorhalten und so driften wir schräg in die enge
Einfahrt. Der Hafen ist fast leer und wir können uns den besten Platz
aussuchen, kein Vergleich zu den Sommermonaten, dann boxt hier der Bär und der
Hafen ist oft wegen Überfüllung geschlossen.
Um 16.30 h legen wir am Kopf eines Steges längsseits an. Nachdem das Schiff
aufgeklart ist laufen wir in den kleinen Ort Oost-Vlieland, den Einzigen auf
der Insel. Er hat ca. 1100 Einwohner. In der Abendsonne geniessen wir ein Bier
(oder zwei).
Zurück auf der MILES & MORE schält Michael die Kartoffeln und ich bereite
den Heringsstipp zu. Dazu gibt es lecker Heineken.
Vor dem Schlafengehen höre ich auf VHF 23 den Wetterbericht für Morgen. Wind
aus SW mit 4-5 bft. Das würde bedeuten, wir müssen unser Ziel Texel für Morgen
aufgeben. Bei diesem eh schon langen Schlag müssten wir dann auch noch jede
Menge kreuzen, was den Weg nochmal enorm verlängert.
Da in den nächsten Tagen mit zunehmend Wind aus W –SW zu rechnen ist,
entscheiden wir uns morgen nach Harlingen zu segeln.
Zurückgelegte
Seemeilen: 33
Motorstunden:1,8
DIENSTAG, 6.5.2014Vlieland – Harlingen
Wetterbericht: Wind aus SW 4-5, später auf W drehend
Gezeiten:Vlieland LW7.11 hHarlingenLW9.26 h HW
13.15 hHW14.30 h
Heute werden wir den größten Teil der Strecke hoch am Wind
zurücklegen und wir stellen uns auf einige Kreuzschläge ein. Wir legen um 9.30
h bei starker Bewölkung ab. Sofort nach der Hafenausfahrt wird das Groß nur zu 2/3
ausgerollt, die Genuafläche nehmen wir ganz dazu. Nachdem uns im Störtemelk der
Flutstrom gepackt hat rauschen wir mit 10,5 kn durchs Wasser und 7,2 kn über
Grund. D. h. der schiebende Strom sorgt bei uns für einen
Geschwindigkeitsrausch. In Windböen legen wir uns kräftig auf die „Backe“ und
Mischa gibt bereitwillig das Ruder an mich ab. Auf Backbordbug erreichen wir so
teilweise ganz knapp an den Rändern der Untiefen entlang unser Tagesziel
Harlingen um 12.30 h – ohne einmal zu kreuzen.
Nach kurzer Überlegung für
unseren weiteren Törn soll es morgen durch den Harinxmakanal binnenwärts in
Friesland weitergehen. Deshalb legen wir nicht im Norderhafen an sondern fahren
durch die Schleuse in den kleinen Hafen der HSWV. Hier liegen wir dann zwar
nicht mitten in der Stadt, dafür aber sehr idyllisch und ruhig mit
vorbildlichen Sanitäranlagen und – wichtig – kostenloser WLAN-Anschluss. Kaum
angekommen, zeigt sich die Sonne und beschert uns einen schönen Nachmittag.
Beim Stadtspaziergang zeige ich Mischa die Shoppingmeile sowie den Norderhafen.
Auch hier liegt nur ein ein Gastlieger während ein paar Wochen später hier
sicher wieder Päckchen von 3-4 Schiffen gebildet werden.
Im Aussenhafen sehe ich zum ersten Mal hier ein
Kreuzfahrtschiff liegen – die NATIONAL GEOGRAPHIC EXPLORER. Im Internet
schlagen wir nach: Esist ein Kreuzfahrtschiff der amerikanischen
Reederei Lindblad Expeditions.
Zuvor stand sie seit 1982 für die Troms Fylkes Dampskibsselskap und danach die Hurtigruten ASA im Linienverkehr an der Küste Norwegens, zuletzt als Ersatz- oder Reserveschiff im Winterhalbjahr. Sie trug
zuerst den Namen Midnatsol,
nach Taufe der gleichnamigen Midnatsol 2003 Midnatsol
II, danach Lyngen. Heute
wird das Schiff in kanadischen und arktischen Gewässern eingesetzt. Seit dem
Umbau ist das Schiff für 148 Passagiere zugelassen (von ehemals 500). Ihnen
stehen 81 Außenkabinen zur Verfügung, darüber hinaus zwei Restaurants, eine Bar
und ein Aussichtssalon sowie ein Fitness-Center mit „Wellness Spa“ und
Saunabereich.
Auf der Shopping-Mall setzen wir uns draussen in ein
Café und geniessen einen Kaffee und – na, was wohl? – ein 'Appelgebak met
Slagroom'.
Zurück auf dem Schiff stöbern wir ein wenig im Internet
bevor wir für unseren heutigen Abendschmaus die Pizza vorbereiten. Zutaten:
siehe oben im Speiseplan.
Wikipedia weiß über Harlingen: Wirtschaftlich ist Harlingen vorwiegend von Landwirtschaft, Schifffahrt,
Seefischerei und Tourismus abhängig. So gibt es Fährverbindungen zu den
Westfriesischen Inseln Terschelling und Vlieland. Ungefähr acht Kilometer südlich von Harlingen beginnt der Abschlussdeich, der das Wattenmeer vom IJsselmeer
trennt. Die Häfen ermöglichen der Seeschifffahrt den Zugang zur Provinz
Friesland. Der neue Fischereihafen wird auch von den großen Kuttern aus Urk benutzt. Vor allem Muscheln werden an Land gebracht.
Der Hafen ist vor allem durch das Wattenmeer auch bei Seglern beliebt. In der Saison herrscht hier ein reger Betrieb an Traditions- und Plattbodenschiffen, unter anderem die sogenannten skûtsjes. Da sich der Hafen bis in die Innenstadt ausstreckt, bietet dies alles auch einen malerischen Blick für die „Landratten“.
Zurückgelegte
Seemeilen: 19
Motorstunden:1
MITTWOCH, 7.5.2014Harlingen - Grou
Wetterbericht: Wind weiterhin aus SW 4-5, kräftige
Regenschauer
Bevor wir ablegen wird das Schiff abgespritzt, von den
Salzresten befreit und der Wasservorrat im Tank aufgefüllt. Um 10.15 h starten
wir durch den Harinxmakanal Richtung Leeuwarden. Nachdem wir die ersten beiden
Brücken kurz hintereinander passiert haben rollen wir die Genua aus und machen
den Motor aus. So steuert Mischa ganz gemütlich bei SW-Wind vorbei an den
saftig grünen Wiesen Frieslands. Bei starker Bewölkung kommt doch ab und zu die
Sonne durch. Ganz ruhig gleiten wir dahin und geniessen die Stille. Auf den
saftig grünen Wiesen wechseln sich Kühe, Schafe und die schwarzen friesischen
Pferde ab. In Franeker entdecken wir nahe am Kanal sogar auf einer Wiese Lamas. Um 11.30 h kommen wir genau pünktlich zur Brückenöffnung und können so ohne
Aufenthalt weiterfahren bis zur ersten Eisenbahnbrücke vor Leeuwarden. Hier
gibt es einen Engpass im Kanal, in dem auch noch gerade ein Leichter liegt und
mit Erde beladen wird. Das Signal zeigt auch Doppelrot, was bedeutet, es dauert
länger. Hier wird wohl ein neues Äquadukt gebaut, um die Bahnlinie(?) und die
Straße unter den Kanal zu legen. Also machen wir hinter einer Motoryacht an den
Dalben fest. Wir nutzen die Zeit und machen schnell die Würstchen heiss. Dazu
gibt’s Kartoffelsalat. Kaum fertig gegessen, hören wir, dass die Motoryacht
startet und losfährt. Der Leichter ist fort, der Weg ist frei – denken wir -
und legen ebenfalls ab! Die Motoryacht kann jedoch unter der geschlossenen
Brücke durch, wir mit unserem Spargel (=Mast) leider nicht. So kurven wir vor
der Brücke von Minute zu Minute. Langsam ungeduldig frage ich über Funk, wann
die Brücke geöffnet wird. „In 8 Minuten“ heisst es. Stimmt genau, die Brücke
wird geöffnet, der Gegenverkehr, einige Segler, wird durchgelassen und danach
wird die Brücke wieder geschlossen und wir bekommen lange Gesichter. So geht
das noch zweimal und nach gut 1 Std. bekommen auch wir endlich freie
Durchfahrt. Die weiteren drei Brücken können wir dann ohne große Wartezeit
passieren. Endlich ist die doch recht langwierige Fahrt vorbei an Leeuwarden
geschafft. Weiter geht es durch grüne Wiesen. Die weite Sicht über die Wiesen fast
bis zum Horizont, ab und zu unterbrochen durch einzelne Gehöfte und verschieden
Baumreihen bieten ein phantastisches Bild. Dazu der blaue Himmel, an dem dicke,
zum Teil dunkelgraue bis schwarze Wolken hängen – wir können uns nicht satt
sehen daran. Um 16.00 h erreichen wir das kleine Örtchen Wergea mit seinen ca.
1600 Einwohnern.
Wir nehmen nicht die in 2009 fertig gestellte Umfahrung des
Ortes sondern wollen mitten durch den engen Ort. Der Kanal ist nur 5,50 m
breit. So haben wir nur 1 m Platz an jeder Seite. Selbst die kleinen, schmalen
Häuser reichen bis fast ans Ufer heran, nur unterbrochen mit einem kleinen
Plattenweg. Es ist jedes Mal ein Erlebnis, diesen kleinen pittoresken Ort zu
durchfahren. Hier können die Bilder sicher mehr sagen als ich beschreiben kann.
Am Ende des Ortes legen wir am Rand an für eine kurze Kaffeepause. Das Lot gibt
akustische Warnung, dass wir den Kiel bei 1,30m bereits durch den Schlamm
ziehen.
Um 17.00 h legen wir wieder ab und machen 1 Std. später in Grou fest. Hier
nimmt uns noch ein Skipper einer Charteryacht die Leinen an, da beim Anlegen in
der Box ein heftiger Seitenwind mit 25 kn uns ein wenig ärgern will.
Beim Abendspaziergang überrascht uns eine kräftige Regenschauer, die uns
schnell wieder in unseren warmen Salon zurückkehren läßt. Hier schauen wir uns
auf dem Laptop eine weitere Teilstrecke eines Atlantikseglers an bevor wir
wieder todmüde in die Kojen fallen.
Meine Erkenntnis für den heutigen Tag: Grou heisst Grou weil
es hier immer grau ist! – denn ich kann mich nicht erinnern, daß es mal nicht
geregnet hat, wenn wir hier waren. Warum fahren dann überhaupt noch hier hin….?
Zurückgelegte
Seemeilen: 28
Motorstunden:4,5
DONNERSTAG, 8.5.2014Grou – Workum
Wetterbericht: Wind aus SW 5-6, kräftige Regenschauer
Heute Morgen stehen wir um 7.45 h auf. In der Nacht gab es
einige kräftige Regenschauern. Nach dem Frühstück gehen wir noch einmal in den
Ort, um Margarine und vor allem frische Nordseekrabben zu kaufen. Hierbei
werden wir schon wieder vom Regen überrascht. Bei leichtem Regen legen wir ab.
Wir können nicht über den Prinzess-Margriet-Kanal weil eine Brücke defekt ist
und nicht geöffnet werden kann. Deshalb müssen wir einen Umweg über Akkrum
machen was wir nach 45 Min. erreichen. Hier bin ich schon einige Jahre nicht
mehr gewesen, da wir beim letzten Male sehr lange vor der Eisenbahnbrücke
aufgehalten worden sind mit dem Erfolg, dass sie gar nicht geöffnet wurde und
wir wieder zurückfahren mussten. Nachdem wir uns nun durch Drücken des
Meldeknopfes bemerkbar gemacht haben, wird uns diesmal zügig geöffnet. Hinter
Akkrum biegen wir nach steuerbord ab. In Terherne geht es noch einmal durch
eine Brücke bevor wir wieder auf den Princess-Margriet-Kanal kommen. Von hier
aus geht es dann nach Sneek mit seinen drei Brücken
was wir zügig durchqueren
können. Am Waterpoort machen wir um 12.40 h fest und freuen uns auf die Krabben
mit Rührei auf Schwarzbrot. Um 13.20 h geht es weiter über Ijlst in Richtung
Heeg. Bis Ijlst haben wir heute nur motort weil der Wind uns vorwiegend auf die
Nase blies. Hinter Ijlst können wir endlich mal wieder die Genua setzen. Bei
Böen bis zu 30 kn Wind von steuerbord legen wir uns kräftig auf die Seite. Aber
wenn wir einbiegen in den Johann-Friso-Kanal müssen wir die Genua wieder
einholen und unter Motor weiterfahren. Der Wind kommt wieder genau von vorne.
So geht es weiter an Heeg vorbei bis zum Abzweig zum Gaaster Meer. Hier können
wir wieder die Genua setzen bis vor die Eisenbahnbrücke KLIFRAK kurz vor
Workum. Noch kurz vor der Kaffeepause können wir alle drei Brücken in Workum
passieren und sogar die Schleuse wird noch um 16.15 h geöffnet. Direkt hinter
der Schleuse legen wir bei strömendem Regen an backbord an. Den Spaziergang
durch den Ort schenken wir uns heute. Wir machen es uns gemütlich im Schiff und
trödeln so vor uns hin. Um 18.30 h wird das Abendessen vorbereitet:
Schupfnudeln, Sauerkraut und Mettwürste. Das ist auch schnell hergerichtet und
noch schneller vertilgt. Nachdem auch die Backschaft erledigt ist spricht mich
beim Gang über die Schleusenbrücke ein Mitglied der Segeln-Forums-Gemeinde an.
Er hat unsere Flagge der Sunshine-Kids unter der Saling gesehen. Er stellt sich
vor als MOMO, sein Avatar im Segeln-Forum. Auch er wird an der Pfingst-Tour mit
den Sunshine-Kids teilnehmen. Er ist alleine unterwegs. Gerne laden wir ihn
ein, am Abend zu uns an Bord zu kommen, wenn er Lust hat. So klopft es dann
auch später am Schiff. Es ist Thomas und möchte morgen von Workum nach Makkum,
wo seine Frau fürs Wochenende zusteigen wird. Bis kurz vor 23.00 h schnacken
wir natürlich vornehmlich über‘s Segeln – wovon sonst! Michael ist ganz still
und lauscht interessiert unseren Erzählungen. Draußen prasselt der Regen auf’s
Deck.
Zurückgelegte
Seemeilen: 30
Motorstunden:4,8
FREITAG, 9.5.2014Workum – Warns
Wetterbericht: Wind aus SW 5-6 bft. später zunehmend 7 mit
Regen und Gewitter
Um 9.45 h geht es mal wieder bei Regen los. Bei diesen
Wettervorhersagen bevorzugen wir wieder den Weg durch die Kanäle zurück nach
Warns anstatt aussen herum übers Ijsselmeer nach Stavoren. Das würde wieder
bedeuten, hoch am Wind mit einigen Kreuzschlägen. Das muss nun wirklich nicht
bei diesen Windvorhersagen sein. Der Schleusenwärter öffnet sofort die Tore und
erläßt uns sogar das Schleusengeld von € 5,--. Wahrscheinlich hat er Mitleid
mit uns, bei diesem Wetter unterwegs zu sein. Nun geht es wieder zügig durch
Workum, kein Brückenwärter läßt uns warten. Vor der Klifrak-Brücke müssen wir
allerdings einige Minuten kreiseln bis der Zug passiert hat. Der hat nun
absoluten Vorrang. Dahinter setzen wir im Vliet die Genua und schalten den
Motor aus bis ins Heeger Meer. Nun geht es mit Kurs SW den Fluessen hinunter
Richtung Warns. Über die weite Wasserfläche bläst der Wind uns den Regen mit
bis zu 35 kn ins Gesicht. Da wir den Rest der Strecke nur unter Motor
zurücklegen können schalte ich auch den Autopiloten ein. So können wir beide uns
unter der Sprayhood Schutz suchen und mal Luft holen. Wir erreichen um kurz vor
13.00 h die Warnser Brug, die Doppelrot zeigt. An den Dalben vor der Brücke
liegen bereits einige Schiffe von denen wir erfahren, dass die Brücke defekt
ist, Monteure sind allerdings bereits bei der Arbeit.
Hier warten wir 1 Std.
bevor es endlich weitergeht. 50 m hinter der Brücke biegen wir ab zu unserem
Liegeplatz an der Pyramide. Vor der nächsten Regenschauer ziehe ich noch
schnell die Persenning über die Genua. Danach gehen wir rüber in die Pyramide
für einen Appelgebak und Kaffee. Mireille verfolgt im Internet die
Wetterentwicklung. Auf der Westseite des Ijsselmeeres soll es im Laufe des
Abends Windgeschwindigkeiten geben bis zu 40 kn. Noch schnell das Schiff innen
gesäubert, die Sachen alle gepackt, dann wird ausgiebig geduscht. Um 19.00 h
lädt Mischa mich zum Abendessen ein. Wir lassen uns Fryske Bifstek mit Pommes,
Mayo, Chikorée und Salat schmecken. Zum Dessert gibt es Pistazieneis und eine
fries. Eisspezialität deren Namen ich leider nicht behalten habe. Nach einigen
Bieren haben wir auch die nötige Bettschwere und erreichen wirklich trockenen
Fußes unsere MILES & MORE.
Zurückgelegte
Seemeilen: 17
Motorstunden:3,5
Insgesamt zurückgelegte Seemeilen:145
Motorstunden:16,4
Schleusenvorgänge:5
Brückenpassagen36
SAMSTAG, 10.5.2014Rückfahrt in die Heimat
Wetterbericht: den ganzen Tag Regen, alles andere interessiert uns heute nicht.
Die Nacht war wider Erwarten sehr ruhig. Der Wind hatte
gestern Abend nachgelassen und so blieb auch das nervende Geklappere an den
Wanten aus.
Trotz des schlechten Wetters in den letzten zwei Tagen
hatten wir eine schöne Woche. Die ersten drei Tage hatten wir bei moderatem
Wind und warmen Temperaturen genossen. In Vlieland konnten wir sogar
windgeschützt im T-Shirt draussen sitzen. Das Segeln im Wattenmeer mit
Berücksichtigung der Gezeiten ist immer wieder spannend. Die kleinen
verwunschenen Dörfer im Binnenland Frieslands haben auch Michael gut gefallen.
Nachstehend der Film zu unserem Törn: Klicke in der Mitte auf den Pfeil!