Dieses Blog durchsuchen

Samstag, 12. September 2009

10. Sippentörn - Ionische Inseln




  • Samstag: 5.9.2009
Vor dem Abflug in Düsseldorf nehmen wir noch eine kleine Stärkung zu uns, bevor es am späten Nachmittag losgeht mit Ziel Preveza/Griechenland.


Preveza erreichen wir pünktlich, aber es ist bereits dunkel, so dass wir von der Landschaft leider nichts sehen können. Das vom Vercharterer organisierte Taxi wartet auch bereits auf uns. So geht es zügig weiter und nach einer Taxifahrt von ca. 1Std. erreichen wir unsere Basis in Nidri auf der Insel Levkas. Ein Dauerlieger am Steg gibt uns eine kurze Einweisung in unsere Bavaria 34 "Faedra", damit wir uns bereits für die Nacht einrichten können. Nachdem wir unsere Taschen mit dem Nötigsten ausgepackt haben, machen wir noch einen Bummel durch die Stadt. Ich bin doch sehr überrascht - unangenehm! Was ist nur aus dem beschaulichen Nidri in den vergangenen 10 Jahren geworden! Bereits vom Steg aus empfängt uns eine Glitzerwelt fast wie in Las Vegas. Eine breite Promenade wurde angelegt, an der sich ein Restaurant neben dem nächsten reiht. Hinter der ersten Häuserzeile dann die Hauptverkehrsstraße mitten durch Nidri. Auch hier gibt es jede Menge Restaurants und Geschäfte für dit un dat. Die Autos wuseln sich durch die enge Strasse; die Fußgänger auf dem schmalen Bürgersteig - wenn überhaupt - müssen aufpassen, dass sie unversehens ihr Ziel erreichen. Hier ist es uns viel zu laut. Wir suchen uns ein Restaurant an der Promenade aus und stillen unseren - mittlerweile nächtlichen - Hunger.

Am nächsten Morgen bekommen wir dann eine ausführliche Einweisung des Vercharteres "Skorpios Charter".




  • Sonntag: 6.9.2009

Die Geschäfte haben geöffnet und so steht unserer Verproviantierung nichts im Wege. Wir decken uns so gut es geht für den gesamten Törn ein. Die gesamten Einkäufe werden uns mit einem kleinen Lieferwagen bis an den Steg gebracht. So müssen wir alles nur noch über den Steg in unsere FAEDRA verstauen.

Dann können wir es aber auch nicht mehr abwarten: "Leinen los" mit östlichem Kurs um die Insel Skorpios herum nach Meganisi. Skorpios ist immer noch im Privatbesitz der Onassis-Familie und ein Betreten ist strengstens verboten.
 
Die Abeliki Bucht auf Meganisi haben wir uns ausgesucht, zum Baden und zum Übernachten. Die Bucht ist bereits mit einigen Yachten belegt und so reihen wir uns ein, werfen den Anker und legen eine Landleine. Alle Vier springen wir in das wohltemperierte Wasser und benehmen uns wie die kleinen Kinder, die endlich Auslauf haben. An diesem schönen Platz wollen wir auch für die Nacht bleiben.




Beim Tauchen entdeckt Stefan einen Seestern in einem wahnsinnig leuchtenden Rot. Vorsichtig holt er ihn mit einem Suppenlöffel ans Boot, damit wir ihn von allen Seiten fotografieren können. Er möchte ihn gerne trocknen lassen und mit nach Hause nehmen. Da bin ich aber strikt dagegen. Man sieht sowieso kaum noch Fische und andere Meerestiere im Mittelmeer, da möchte ich diesem hübchen Kerl nicht auch noch den Garaus machen. Er soll die Gelegenheit haben, sich zu vermehren, damit auch noch andere Crew Freude an ihm haben. Hoffentlich denken die anderen Crews genauso! Schweren Herzens übergibt Stefan ihn wieder seinem Element. Als Andenken an ihn haben wir ja noch die Fotos.

Schon bald frischt der Wind auf, und der Druck erhöht sich besonders auf die Landleine. Das wird mir zu ungemütlich und zu gefährlich, dass wir auf die neben uns liegende Yacht gedrückt werden. Deshalb suchen wir einen neuen Ankerplatz etwas weiter innen in der Bucht. Da die vor Anker liegenden Yachten aber bereits so dicht liegen, misslingt ein erneutes Ankermanöver. Mittlerweile hat der Wind kräftig zugenommen und weitere Ankermanöver möchte ich nicht riskieren. Wir verziehen uns in den Hafen von Vathy. Dieser kleine Ort liegt nur eine Bucht nebenan. Dort legen wir rückwärts an den Kai an- unter Seglern: römisch-katholisch. Am ersten Abend lassen wir unsere Küche kalt und so suchen wir uns ein kleines Restaurant direkt am Kai. Während des Abendessens färbt sich der Himmel im Osten über dem Festland schwarz. Der Wind nimmt weiter zu und räumt alle leichten Gegenstände wie Servietten und leere Brotschalen von den Tischen. Über den Bergen des Festlandes sehen wir jede Menge Blitze zucken. Ich bin froh, dass wir hier sicher vertäut im Hafen liegen und nicht mehr in der vorher angelaufenen Bucht vor Anker.

  • Montag, 7.9.2009


Am nächsten Tag hat sich der Wind wieder gelegt. Nun haben wir wieder zuwenig Wind; unter Segel kommen wir nur langsam voran. So erreichen wir unser Tagesziel Syvota an der Südküste von Levkas nicht. Also: Motor an! So tuckern wir bei herrlichem Sonnenschein zunächst mit Kurs 180° entlang der Insel Meganisi. Vor ca. 10 Jahren waren Ulla und ich, aber auch Stefan bereits als Mitsegler in diesem Revier unterwegs. So kennen wir bereits einige schöne Plätze zum Ankern. Heute wollen wir an der Südküste von Meganisi einen kurzen Badestop einlegen. Das Bild zeigt die winzig kleine Bucht Punta Cernia. Über türkisgrünem Wasser und vor einer hellen Felswand lassen wir den Anker fallen , um an der Felsenküste entlang zu schnorcheln. Nur wenige kleine Fische lassen sich blicken. Nach einem kleinen Mittagssnack geht es weiter Richtung Syvota - leider wieder zum großen Teil unter Motor.

Syvota erreichen wir am Nachmittag. Am Kai liegen schon jede Menge Yachten in dieser wunderschönen, von allen Seiten geschützten Bucht. Nachdem wir festgemacht haben und unseren obligatorischen "Anleger" zu uns genommen haben, lassen wir das Dinghi ins Wasser und montieren den Aussenborder. Da das Dinghi nur für 3 Mann Platz bietet, starten Stefan, Schwager Peter (ullaseits) und ich zu einer "Hafenrundfahrt". Kreuz und quer durch die Bucht zwischen den Ankerliegern hindurch. Ja, ja, das Kind im Manne!
Nach dieser "Spritztour" und ein bischen Relaxen, erkunden wir zu Füß den Ort. Entlang der Ufer-Straße oder-Promenade reiht sich ein Restaurant neben dem anderen. Für unser Abendessen suchen wir uns ein aus, mit Terasse im 1. Stock. Der Inhaber des Lokals zeigt uns den fangfrischen Fisch vom heutigen Tage. Schwager Peter (meinerseits) mag kein Fisch und rümpft die Nase. Für ihn gibts dann Rib-Eye oder Lamb-Chops.
Am Abend erfahren wir dann, Fisch und Fleisch sind zubereitet genauso lecker, wie es im rohen Zustand aussah. In Begleitung 1-5 Flaschen Wein erleben wir eine herrlichen Abend mit einer grandiosen Aussicht über die Bucht.

  • Dienstag, 8.9.10


Unser heutiges Etappenziel soll Phiskardo auf Kefallonia sein, das "St. Tropez" in den Ionischen Inseln. Zunächst fahren wir jedoch entlang der Südküste von Levkas zur Südspitze mit dem Leuchtturm Doukato. Von hier fahren wir noch einen kurzen Schlag gen Norden um die grandiose Steilküste zu bewundern. Als wir die südliche Landabdeckung verlassen kommen wir in einen starken Schwell der offenen See. Es dauert ur wenige Minuten, da macht sich bei mir im Magen wieder ein flaues Gefühl breit. Dieser Seegang ist zuviel für meine Gleichgewichtssinne. Um das Frühstück drin zu behalten hilft nur eins: ich muß Peter am Ruder ablösen. Aus Erfahrung weiss ich, das ist das Einzige, was mir hilft. So auch diesmal: kaum das ich am Ruder stehe, geht es mir wieder besser - das Frühstück bleibt drin!



Nachdem wir ca. 2 sm entlang der Felsküste gefahren sind, machen wir kehrt und nehmen Kurs 160° auf Phiskardo zu. Dieser Ort soll das Highlight des Törns sein. Es ist Stefan und mir noch als sehr klein, aber auch sehr lebhaft in Erinnerung. Phiskardo darf man nicht zu spät am Nachmittag erreichen, da man sonst keinen Platz mehr am Kai bekommt und dann Ankern muß. Wir haben Glück! Wir ergattern noch einen der begehrten Plätze am Kai. Die Stühle des Restaurants sind nur 1 Meter entfernt von unserem Heck, ideal für Fußkranke und Betrunkene (wenn sie es denn schaffen miteinem Step über die Planke ins Schiff zu kommen! Das übliche Procedere nimmt seinen Lauf: Anleger - Siesta - Flanieren durch den Ort - Duschen und Landfein machen fürs Abendessen. Da Leben pulsiert hier, wie fast überall in den Küstenorten am Hafen. So gibt es auch hier jede Menge Restaurants und jede Menge Souvenirs, Souvenirs.
Sobald wir nur um eine Ecke in eine Seitenstrasse biegen wird es abrupt ruhig und idyllisch. Die Häuser sind alle farbenfroh gestrichen, davor in einem schönen Kontrast eine üppige Blumenpracht, die sich nicht nur in den Vorgärten zeigen, sondern auch an den Hauswänden hochranken. Das ganze mit einem strahlend blauen Himmel im Hintergrund ergibt phantastische Fotomotive.
Unsere altbekannte Cocktail-Bar im ersten Stock existiert auch noch. Die gilt es natürlich wieder aufzusuchen, um Caipirinha, B52, Mai Tai und Co. zu probieren. Hier sitzen wir auf dem Balkon und haben wieder freie Aussicht auf das turbolente Geschehen im Hafen.
Sofort nach dem Anlegen am Kai hatten wir uns einen Tisch reservieren lassen - natürlich die oben beschriebenen 100 cm von unserem Boot entfernt. Diesen Tisch haben wir dann zum Abendessen eingenommen. Bei jedem Sippentörn wird ein Abendessen von Schwager Peter (meinerseits) gesponsort, so auch heute hier - die Bordkasse wird geschont und steht für ein Essen an einem der nächsten Abende zur Verfügung.
  • Mittwoch, 9.9.09

Nun ist die Hälfte unserer Sippentörn-Woche schon vorbei. Für heute haben wir uns den Schlag durch den Kanal von Ithaka vorgenommen mit dem Ziel, in einer Bucht an der Südspitze Ithakas für die Nacht zu ankern. Nachdem wir den Hafen von Phiskardo verlassen haben, empfängt uns ein frischer Südwind. Wir sind froh endlich mal Wind zum Segeln zu haben, sind wir doch die letzten Tage fast nur motort. Aber hätte er nicht aus Nord kommen können. So heisst es gegenan kreuzen - aber es ist Segeln vom Feinsten. Wir nutzen die volle Breite des Kanals von ca. 2 sm. Es vergehen einige Stunden während wir uns gen Süden kämpfen. Am Nachmittag erreichen wir die ausgesuchte Ankerbucht Ormos Andreou, direkt an der Spüdspitze Ithakas. Diese Bucht ist sehr gut geschützt gegen nördliche Winde. Damit wir aber nicht in der Nacht von entl. Fallwinden, die über den Berg kommen könnten, überrascht werden, legen wir neben ausreichend Ankerkette auch zwei Landleinen.
So liegt das Boot fest und kann seinen Platz nicht verlassen - inszwischen sind nämlich noch zwei weitere Ankerlieger in die Bucht gekommen. Nun ist wieder baden und schnorcheln angesagt. Mit dem Dinghi fährt Stephan und Schwager Peter (ullaseits) durch die Bucht und schiesst Fotos von unserem Schiff. Die Nacht vergeht ohne Störungen - wir alle schlafen tief und fest.


  • Donnerstag 10.9.09
Nun heisst es, langsam wieder gen Norden zu kommen, da wir bereits morgen abend wieder an unserer Charterbasis in Nidri sein müssen. Da kommt schon wieder Wehmut auf! Aber zunächst wollen wir die beiden verbleibenden Tage noch geniessen. So springen wir morgens direkt aus dem Bett ins Wasser - einfach herrlich. Das ist mit das Schönste, wenn wir in einer Bucht vor Anker liegen. Nach dem Frühstück werden die Landleinen wieder eingeholt, der Anker gelichtet und Kurs Nord auf Kioni genommen. Mangels Wind heisst es schon wieder - MOTOREN! Die 14 sm schaffen wir in knapp 3 Stunden und so erreichen wir am frühen Nachmittag Kioni, ein kleiner verschlafener Ort an der Nordostküste Ithakas.

Kioni hat nicht viel zu bieten. So nehmen wir in einer Bar am Wasser einen Cocktail und beobachten das Treiben im Wasser. Auch von dem Abendessen sind wir nicht sonderlich begeistert, Service und Essen haben wir schon mal besser bekommen in den letzten Tagen.



  • Freitag, 11.9.09

Weiter geht's gen Norden! ....und wir haben Wind! Woher? Natürlich daher, wo wir hin wollen - aus Norden! Diesen - unseren letzten Tag auf dem Schiff - wollen wir nochmal richtig geniessen: wir stellen uns dem Nordwind und kreuzen vorbei an den beiden Inseln Atokos und Arkoudi, die wir an steuerbord lassen.


Bei Ankunft in der Bucht Gialos auf Levkas haben wir 30 sm mehr auf der Logge. Der direkte Weg - aber eben nur unter Motor - wären 11 sm gewesen. Aber wir sind gesegelt - ha!!! In dieser Bucht legen wir nochmal einen Badestop ein und legen den Anker in türkisfarbenes Wasser. Leider können wir uns nicht zu lange hier aufhalten. Wir müssen weiter, da wir am Abend wieder in Nidri sein müssen. Zwischen Levkas und Meganisi geht es unter Motor die restlichen 8 Meilen zurück nach Nidri.

Da unser Rückflug am nächsten Tag erst spät nachmittags geht, reservieren wir uns einen kleinen Mietwagen, um die Insel Levkas zu erkunden. Das Abendessen nehmen wir im gleichen Lokal ein, wie am ersten Tag.


  • Samstag, 12.9.09

Der Vormittag beginnt nicht so erfreulich. Bei der Rückgabe des Bootes stellt der Vercharterer einen Riss in der Vorschiffs-Luke fest. Wir beteuern, diesen Schaden nicht verursacht zu haben, sondern er muss schon bereits bei Übernahme vor einer Woche vorhanden gewesen sein. Darauf lässt er sich jedoch nicht ein. Er besteht auf den Schadenersatz in Höhe von € 500,- für eine neue Luke incl. Einbau. Wir sind sehr verärgert aber was sollen wir machen? Unsere Unschuld können wir nicht beweisen, einen Vorbehalt bei Übernahme der Yacht haben wir auch nicht gemacht. Er behält die Kaution ein, wir bestehen jedoch auf eine ordnungsgemässe Rechnung des Schadens, da wir versuchen wollen, ihn evtl. bei einer Haftpflichtversicherung geltend zu machen. Wir trösten uns letztlich mit der Tatsache, dass dieses der erste Schaden nach 10 Jahren Chartern ist.
Nachdem das alles geregelt ist, übernehmen wir unseren Mietwagen, packen ihn voll und erkunden die Insel.
Zunächst geht über den südlichen Teil vorbei an der Bucht Gialos, in der wir am Vortag geankert hatten.





Weiter geht es an der Wesdtküste entlang nach Norden. Immer wieder halten wir an und geniessen die phantastische Aussicht hoch über der Küste weit hinaus auf das blaue Meer. Wir sind uns einig: es war eine gute Idee, den Mietwagen zu nehmen und so noch etwas von der Insel sehen zu können, anstatt den ganzen Tag im Ort oder auf dem Flughafen zu vertrödeln. In Milos fahren wir hinunter zum Strand und schmeissen uns in die hier recht heftigen Wellen. Übrigens, da fällt mir einer unserer Standardsprüche ein, der immer fällt, wenn es uns besonders gut geht:"Herr Doktor, ich spüre Linderung!"


Weiter geht die Fahrt über den Nordteil der Insel. Mitten in den Bergen halten wir in einem kleinen Ort und speisen unter schattigen Bäumen. "Nie wieder arm sein!" - ist auch so ein Spruch, der hier mal erwähnt werden muss! Danach suchen wir unseren Weg Richtung Flughafen Preveza, wo wir auch unseren Mietwagen einfach abstellen können. Die Schlüssel legen wir unter die Fussmatte! So unkompliziert kann es sein!







Um den nachzuverfolgen, bitte hier auf den Link Klicken.











Samstag, 20. September 2008

9. Sippentörn - Sardinien - Korsika


Den gleichen Törn hatte ich bereits im Vorjahr mit einer anderen Crew gemacht. Er hatte mir so gut gefallen, dass ich dieses Segelrevier auch unbedingt meiner Crew vom Sippentörn vorstellen wollte. Ich konnte wieder das Gleiche Schiff buchen, eine Beneteau Oceanis 391 mit drei Doppelkabinen.
Marina Portisco

Porto Cervo

Wir landeten am Samstag, den 20.9 am späten Vormittag auf Olbia/Sardinien. Für den Transfer zur Marina Portisco wartete bereits ein Bus, der uns zügig zum Hafen brachte. Portisco ist ein kleiner Hafen an der Ostküste Sardiniens, an der Costa Smeralda. Die Übernahme des Schiffes klappte auch problemlos. Während das Schiff noch gesäubert wurde, nutzten wir die Zeit zum Einkaufen. Die Infrastruktur rund um den Hafen bietet einige Restaurants, Souvenirläden und einen kleinen, engen Supermarkt. Hier bekamen wir die Grundnahrungsmittel wie Wein, Bier, (Wasser), Pasta, Käse, Aufschnitt etc. Da der Ort Portisco außer einigen schmucken kleinen und großen Villen nichts besonderes bietet, hieß es dann sofort "Leinen los" mit dem heutigen Etappenziel PORTO CERVO.

Porto Cervo im Sonnenuntergang
Das Anlegen in der Marina haben wir uns verkniffen. Die € 70,- fürs Liegegeld belassen wir lieber in der Bordkasse und nutzen Sie in einem anderen Ort für einen Gaumenschmaus. Noch soeben vor dem Sonnenuntergang krallen wir uns in der dem Ort vorgelagerten Bucht eine Muringboje, die ist kostenlos.
Nach dem Abendessen an Bord gehen Peter C., Stefan und ich mit dem Dinghi auf Entdeckungstour.
Wenn wir schon mal an diesem mondänen  Ort sind, wollen wir ihn uns wenigstens anschauen. An Land sehen wir zwar einen architektonisch reizvoll angelegten Ort mit vielen Lokalen, jedoch nur mit wenig Publikum. Auch hier geht die Saison zu Ende. Die Schönen und Reichen haben sich wohl schon in wärmere Gefilde zurückgezogen. Auf der Rückfahrt vom Kai zu unserem Schiff versagt der Aussenborder. Wir reissen uns fast die Arme aus beim Zug am Startseil. Er springt zwar an, kommt aber nicht auf Leistung. Zitat:"Erreichen das Schiff mit Müh und Not, der Motor lebt, die Crew ist tot.

Capo Ferro an der Nordost-Spitze Sardiniens
Am nächsten Morgen versuchen wir es nicht nochmal mit dem Aussenborder. So verpassen wir leider, Porto Cervo im Hellen zu besichtigen. Stattdessen geht es unter Segel um die Nordost-Spitze Sardiniens, das Capo Ferro. Vorbei an Palau und dem Leuchtturm Punta Sardegna legen wir den Anker in der Bucht von Porto Pollo zum Badestop.




Porto Pollo
Das Wetter ist herrlich, der Wind passt hervorragend. Das nehmen wir wahr, um noch am Nachmittag mit Kurs auf Bonifacio zu segeln. Die Straße von Bonifacio ist berüchtigt für viel Wind, der durch den Düseneffekt zwischen den beiden Inseln Sardinien und Korsika noch verstärkt wird. Heute ist er jedoch gnädig mit uns. Gegen 17.00 h biegen wir ein in die fjordähnliche Bucht von Bonifacio. Schon bei der Ansteuerung waren wir beeindruckt von dem Panorama, wie die Altstadt mit ihren Häusern hoch oben direkt bis an die Abbruchkante der Felsen gebaut wurde. Der Marinero weist uns einen Liegeplatz zu und drückt uns mit seinem Schlauchboot ruckzuck in die Lücke. Mit Heckleinen zum Kai und der Muringleine über das Bug liegen wir fest.
Blick auf Bonifacio
Ansteuerung Bonifacio
Nach dem üblichen Procedere: Strom legen, Schiff klarieren, Manöverschluck trinken oder auch zwei, landfein machen geht es los zu einem kurzen Spaziergang über die Promenade, um ein Restaurant zu sondieren für das Abendessen. Müde und faul wie wir sind, entscheiden wir uns natürlich für ein Lokal in unmittelbarer Nähe unseres Liegeplatzes. Zwei von uns arbeiten in der Logistik, deshalb sind wir Freunde kurzer Wege. Die Nacht schlafen wir wie in Abrahams’s Schoss.
Marina Bonifacio
Den nächsten Tag (Montag, den 22.9.08) reservieren wir uns komplett, um Bonifacio zu erkunden. Von der Uferstraße führt eine breite Treppe hinauf zur Ville haute, zur Oberstadt. Die liegt auf einer schmalen Landzunge, die den Naturhafen von der offenen See trennt. Die Stadt  hat ca. 3000 Einwohner und liegt ca. 70 m hoch auf den weißen Kreidefelsen, die wir bereits von See kommend am Vortag gesehen hatten. Da wundert es nicht, dass die Eroberer in früheren Jahrhunderten es schwer hatten, diese Stadt einzunehmen. Durch die Altstadt zu flanieren, ist ein Erlebnis. Es geht durch enge, kopfsteingepflasterte Strassen, die durch 4 bis 5-geschossige Häuser begrenzt werden. Steht man direkt am durch eine Mauer oder Zaun geschützten Klippenrand und wirft man einen phantastischen Blick nach links und rechts, so sieht man deutlich, wie das Meer im Laufe der Jahrhunderte am Felsen genagt hat. Die Wohnungen in den Häusern direkt am Klippenrand sind allerdings nur für Schwindelfreie geeignet – also nichts für mich. Von dieser grandiosen Aussicht auf die Straße von Bonifacio bis hinüber nach Sardinien wenden wir unseren Blick nach Norden in die Bucht. Hier hat heute Morgen die Sea Cloud I angelegt.

Die Sea Cloud lief 1931 als letzte private Viermastbark in Kiel unter dem Namen HUSSAR vom Stapel. Sie galt damals als die prunkvollste Segelyacht der Welt. Die weitere Geschichte der Sea Cloud findet ihr hier:


Wir laufen weiter zum westlichen Zipfel der Landzunge und zurück vorbei an alten Geschützen und neuen Hotels. Nach einer Erholung bei Crepes und Kaffee strapazieren wir unsere Beinmuskeln auf der Treppe des Königs von Aragon. Diese Treppe wurde schräg in den senkrecht abfallenden Felsen gehauen und bildet über 187 großen Stufen einen Zugang zum Meer. Der Legende zufolge soll sie während der vergeblichen Belagerung durch die Spanier 1420 angelegt worden sein. Tatsächlich ist die Treppe aber deutlich älter.
187 Stufen runter zum Meer
Müde gelaufen an diesem kulturellen Tag sitzen wir am Abend im Restaurant und genießen Meeresfrüchte und Vin blanc.

Am nächsten Morgen (Dienstag, 23.9.) verlassen wir Korsika mit Kurs auf die Isola Lavezzi. Vor der Bucht von Bonifacio liegt eine weiterer Kreuzfahrer, jedoch modernerer Art: die Club Med II von dem gleichnamigen Reiseveranstalter.

Club Med II

Lavezzi ist eine aus vielen kleinen Inseln und Granitriffen bestehende Inselgruppe in der Meerenge von Bonifacio und zugleich der südlichste Punkt Frankreichs in Europa. Zu Zeiten Napoleons III zerschellte hier die Fregatte Sémillante 1420 mit 702 Mann. Aus Zeitgründen wollte der Kapitän nicht den längeren Weg um die Südspitze Sardiniens nehmen sondern riskierte bei schwerem Sturm und Nebel Mannschaft und Schiff.


Vor Anker in der Bucht von Budelli
Ich habe keine Lust, weder Mannschaft noch Schiff zu verlieren. Deshalb segeln wir an diesem sonnigen Tag bei leichtem achterlichem Wind auf Lavezzi zu und gehen in einer kleinen Bucht vor Anker. Die von Wind und Meer glatt geschliffenen Felsen erinnern an die Felsformationen auf den Seychellen. (Habe ich leider selbst noch nicht gesehen, die Fotos aus Prospekten und Fernsehen sind aber sicher jedem bekannt.

Mahnmal der Semillante auf Lavezzi
Nach einem ausgiebigen Bad geht es weiter zu der nur 5 sm entfernten Insel Razzoli in die Cala Lunga. Über türkisblauem Wasser graben wir den Anker tief ein, um sicher für die Nacht zu liegen.. Razzoli und die Nachbarinseln Budelli und Santa Maria gehören bereits zum Maddalena-Archipel.

Bucht auf Santo Stefano
Nach dieser ruhigen Nacht haben wir uns als Tagesziel (Mittwoch, 24.9.) die Stadt La Maddalena auf der gleichnamigen Insel gesetzt. Zunächst setzen wir aber den Kurs ab vorbei an der Insel La Maddalena an die Südspitze der Insel Santo Stefano. Diese Bucht bietet uns ausser nach Süden in alle Richtungen guten Schutz, um gegen Mittag eine ausreichende „Siesta“ zu machen und das glasklare Wasser per Schnorchel zu erkunden. Am Nachmittag erreichen wir dann die Stadt Maddalena. Ausser viel Lärm und Hektik hat diese Stadt uns nicht viel zu bieten.

Ansteuerung auf Maddalena
 Donnerstag, 24.9.08
Nach den relativ kurzen Etappen der letzten Tage nehmen wir uns heute einen langen Schlag vor. Unser Etappenziel soll Baia Caddinas im Golfo Aranci sein. Zunächst mit achterlichem Wind geht es wieder vorbei am Cabo Ferro unter den wachsamen Augen des Orso – ein Felsen hoch oben auf dem Gebirgsmassiv, der aussieht wie ein Braunbär. Nachdem wir den Leuchtturm von Capo Ferro an steuerbord liegen lassen drehen wir auf südlichen Kurs.


La Tramontana
Vorbei geht  es an der Isola Mortorio; um Capo Figari herum segeln wir zwischen der Halbinsel Figarolo und Tramonto mit 270° Grad auf Baia Caddinas zu. Hier machen wir mit Heckleinen und Muring in einem kleinen Hafen fest, der unseren Tiefgang soeben zulässt. In der Marina liegen hauptsächlich kleinere Motorboote. Der Ort selbst ist ein modern angelegtes Urlaubsdomizil und besteht hauptsächlich aus Ferienbungalows und Hotels, die sehr geschickt in die felsigen Hügel eingebettet sind – wie überall auch an der nördlich gelegenen Costa Smeralda. Wir finden noch eine kleine geöffnete Pizzeria, in der wir endlich eine echte italienische Pizza bekommen – die erste in dieser Segelwoche.

Den letzten Segeltag (Freitag, 25.9.08) müssen wir so terminieren, dass wir am Abend in der Marina Portisco mit vollem Diesel-Tank unsere Yacht wieder zurückgeben können. Nach dem Ablegen geht es wieder mit Kurs 90° Grad vorsichtig vorbei am Porto Aranci. Hier müssen wir die Fährlinie kreuzen, die diesen Teil Sardiniens mit dem Festland verbindet. Am Kai sehen wir riesige Fährboote liegen, die Lkw und ganze Züge aufnehmen können. Nach der Umrundung von Cabo Figari nehmen wir Kurs auf die Isola di Mortorio, wo wir mittags noch einen Badestop einlegen wollen. Es liegen schon einige Boote in der kleinen Bucht vor Anker.

Mit den Fischen schwimmen
Es wird zwar eng, aber auch wir finden noch einen Platz und lassen den Anker über glasklarem türkisem Wasser fallen. Oh Wunder, hier gibt es auch noch einige kleine Fische. So gibt es auch noch etwas unter Wasser mit Schnorchel und Brille zu sehen. Kleine Reste unserer Pasta, die es zu Mittag gab, geben wir in das Wasser und beobachten hautnah wie sich die Fische darüber hermachen.
Ankern in der Bucht der Isla Mortorio
Wir geniessen diesen letzten Aufenthalt an diesem tollen Fleckchen. Am Nachmittag geht es die letzten 4 sm zurück nach Portisco wo wir uns indie Schlange vor der Tanksäule einreihen. Nachdem der Dieseltank wieder gefüllt ist legen wir mit der Muringleine an unserem Steg an.

Das letzte Abendessen auf Sardinien geniessen wir in dem Restaurant im ersten Stock mit einem wundervollen Blick über den kleinen Hafen und das dahinterliegende Meer. Die Nacht zum Samstag dürfen wir noch auf dem Schiff verbringen.

Am nächsten Morgen (Samstag, 26.9.08) erfolgt wieder eine fast reibungslose Schiffsübergabe. Unsere Reklamation, dass der Aussenborder bereits am ersten Abend (in Porto Cervo) versagte und wir deshalb die Kosten dafür zurück erstattet haben wollen, wird nicht anerkannt. Wir hätten diesen Mangel sofort melden können, dann wäre der Motor auch sofort ausgetauscht worden. Nach langen Verhandlungen bezahlen wir nur die Hälfte der Kosten. Das Problem wird abgehakt mit den Worten: “Ein bisschen Schwund ist immer!“

Da unser Flug erst am späten Nachmittag zurück nach Düsseldorf geht, müssen wir jetzt den ganzen Vormittag die Zeit in dem kleinen Ort totschlagen. Wir laufen ein paar hundert Meter weiter am Ufer entlang und entdecken einen kleinen Sandstrand. Hier breiten wir uns aus und träumen von den Erlebnissen der letzten Tage.

Fazit: Das Gebiet im Nordosten Sardiniens um das Maddalena-Archipel ist sicher eins der schönsten Segelreviere im Mittelmeer und sollte ein Segler unbedingt besuchen. Von den wilden Geschichten um die Strasse von Bonifacio sollte er sich nicht abschrecken lassen. Um diese zu überqueren ist sicherlich eine sorgsame Wetterbeobachtung nicht zu vernachlässigen. Den Besuch von Bonifacio am Südende von Korsika sollte man sich aber auf keinen Fall entgehen lassen. Auch die kleinen Inseln Lavezzi, Budelli, Razzoli mit ihren beeindruckenden Felsformationen und dem glasklaren Wasser sind in jedem Fall einen Besuch wert.
Die Yacht hatte ich nun bei Boomerang in Portisco schon das zweite Mal gechartert. Diesen Vercharterer kann ich auch weiter empfehlen. Die Yacht war beide Male tip top in Ordnung und sauber. Das Problem mit dem Aussenborder kann es immer mal geben. Das wir hier nicht schnell genug reagiert haben, war unsere Schuld.