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Donnerstag, 6. Juli 2017

Mit Buddha und Deichgraf untrwegs

Dieses Mal habe ich mich mit alten Schulfreunden verabredet, um einige Tage segeln zu gehen.
Wir fahren bereits sonntags mittags, begleitet von einigen Regenschauern, nach Warns, damit sich die beiden schon in der Nacht an das Schiff gewöhnen können.

Wir, das sind:

Heinz, auch genannt "der Buddha von Steinbüchel", im richtigen Leben Realschullehrer für Sport, Geographie und gelegentlich auch Biologie.





Ulrich, der "Deichgraf von Köln" sorgt dafür, das die Kölner Kneipenszene nach der Schneeschmelze keine nassen Füße bekommt.





und ich, Pitter, der "Missionare navigare", der nimmermüde versucht, die ganze Weltbevölkerung zur christlichen Seefahrt zu bekehren.




Nach der Ankunft auf der MILES & MORE werden die Kojen verteilt. Dann gibt es Abendessen - das friesische Nationalgericht Gyros mit Tsatziki und Krautsalat. Wir sitzen bis tief in die Nacht und klönen über alte Zeiten.

Montag, 3.7.2017

An diesem Morgen kommen wir nur schwer auf Touren. Der gestrige Abend war wohl etwas zu lang. Während Heinz frische Brötchen im nahen Stavoren holt, bereite ich das Frühstück vor. Alles dauert etwas länger als sonst. Aber egal - wir haben Zeit. Niemand drängelt uns und niemandem stehlen wir die Zeit.
Vor dem Ablegen erkläre ich das Schiff, die verschiedenen Schoten und Fallen. Ulrich ist sehr interessiert, ist er doch Modell-Segler. Die Grundbegriffe der Segelführung und -stellung sind ihm geläufig.
Bereits hier im Hafen zeigt der Windmesser 5 bft. an. Dann können wir für draußen auf dem Ijsselmeer noch ein paar Knoten dazu addieren. Wir gehen kein Risiko ein. Wir sind hier zur Erholung - kein Stress! Ich lasse meinen ursprünglichen Plan, in Stavoren aus der Schleuse aufs Ijsselmeer und dann nach Hindeloopen zu segeln, fallen. Wir bleiben binnen und segeln nur mit der Genua den Johan-Friso-Kanal nordostwärts Richtung Heeg. Im Heeger Meer biegen wir nach backbord ab Richtung Workum. Mittlerweile hat der Wind gedreht auf W-NW - wir müssen motoren. In Workum legen wir an zum Tanken. Da passiert es: ich passe nicht auf, bin zusehr auf meine Mitsegler konzentriert, da touchiere ich ein kleines altes Motorboot an seinem dicken hölzernen Steven. Gott sei Dank ist kein Schaden zu sehen, weder an dem Motorboot noch bei an unserem Boot. Dafür macht der Skipper des Motorbootes einen Riesenaufstand. Es ist wohl ein Charterboot. Ich mache einige Bilder von beiden Booten und gebe ihm meine Adresse. Dann scheint er zufrieden und legt ab. Nach dem Tanken genießen meine Mitsegler und ich die langsame Fahrt durch Workum.

Die anschließende Schleusung zum Ijsselmeer passiert reibungslos. Unser Deichgraf ist sehr an der Beschaffenheit der hier gebauten Deiche interessiert. Schade nur, daß das seinen stressigen Alltag in den grauen Zellen wieder hervorruft.

Meinen Plan, heute Hindeloopen zu erreichen, habe ich noch nicht aufgegeben. Einmal aus der schmalen Zufahrt nach Workum raus, biegen wir auch sofort backbord ab in das Fahrwasser nach Hindeloopen. Hier haben wir Windgeschwindigkeiten von 20-26 kn und ca. 1 Meter Welle. Aber wir werden nur kurz duchgeschaukelt, dann legen wir auch schon wieder im Gemeindehafen von Hindeloopen an. Es ist nichts los hier, jede Menge Liegeplätze sind noch frei. Bei dem Wetter ist auch jeder gut beraten, nicht seinen schützenden Hafen zu verlassen.
Ich nutze schnell die Gelegenheit, einen Tisch auf der ersten Etage im "3 Haringjes" für heute Abend zu reservieren. Nachdem wir uns "landfein" gemacht haben, besetzen wir unseren reservierten Tisch und freuen uns über den tollen Ausblick hinaus aufs Ijsselmeer. Die untergehende Sonne stimmt uns ein wenig melancholisch.
Das Essen bietet keinen Grund zu reklamieren - im Gegenteil, es ist ausgezeichnet. Hauke Ulrich lobt seine Scholle in den höchsten Tönen, Heinz und ich machen uns über die frischen Muscheln nach portugiesischer Art her. Miesmuscheln gekocht zusammen mit einigen Spareribs und Chorizo - mal etwas anderes, aber sehr sehr lecker! Ulrich überredet mich noch zu einer verführerischen Nachspeise - Eis mit Crepe und heißen Kirschen. Ein Gedicht!!!! Zudem war ich auch noch von Ulrich eingeladen. Nochmals herzlichen Dank dafür - lecker gekocht!
Ein wenig Bewegung finden wir noch beim Schlendern durch den idyllischen Ort. Zurück im Cockpit erfahren wir von Heinz's weitschweifenden Bekanntschaften, von seinen Verbindungen zur Eis-Camorra von Schlebusch und den Unterwelten von Opladen und Wiesdorf. Auch Deichgraf Ulrich erzählt von seinen teils unglaublichen Erlebnissen beim Bau des neuen Rhein-Boulevards.


Dienstag, 4.7.2017

Nach einer anfangs sehr unruhigen Nacht - wir schaukeln ordentlich - aber nicht vom Alkohol sondern in den immer noch heftigen Windboen - wachen wir bei wenig Wind und herrlichem Sonnenschein auf. Nach einem wieder entspannten Frühstück in der Sonne legen wir am späten Vormittag ab mit Kurs hinaus aufs Ijsselmeer Richtung Makkum. Der Wind hat mittlerweile fast komplett nachgelassen. So bleiben auch unsere Toupets auf Kopf und Brust an ihren Stellen kleben. Gaaaaaaanz langsam tüdeln wir Richtung Norden während uns die Sonne verwöhnt. Heinz und ich wagen einen Sprung ins Wasser. Mit 19°C ist es angenehm erfrischend. Nach 7 Stunden auf dem Wasser legen wir vollständig relaxed um 18.00 h in Makkum an. Kurz frisch gemacht, talpen wir in den Ort zum Abendessen. Ich bin schon wieder eingeladen! - Ein Leben wir Gott in Frankreich! Auch hier wieder ein herzliches Danke schön, diesmal an Heinz!
Zurück auf dem Schiff, sitzen wir noch lange im Cockpit und erzählen von den gemeinsamen alten Zeiten, von unseren ehemaligen Lehrern, Schulkameraden und -kameradinnen, von der Clique, von gemeinsamen Treffen an unserem Stammplatz im Freibad Auermühle und...und .....und... Musik aus den 60er und 70er unterstützt uns dabei. Wir sind uns einig: es war eine tolle Zeit. Wir waren ja gerade in dem Alter als wir merkten, dass es nochwas anderes gab ausser Fußball und Karl May.

Mittwoch, 5.7.2017

Zum Frühstück gibt es heute frische Krabben mit Rührei auf Schwarzbrot. Wieder ein Gaumenschmaus! Dann starten wir bei 0 (in Worten NULL) Wind aus Ost Richtung Stavoren. Die Sonne brennt wieder vom Himmel und wir warten nicht lange mit dem Sprung ins kühlende Nass! Diesmal läßt sich auch Ulrich überreden. Ob er so langsam loslassen kann von seinen stressigen Gedanken......? Danach trödeln wir wieder mit gesetztem Groß und Genua weiter Richtung Süden. Zum Zeitvertreib führen wir einige Manöver unter Segel durch - Wenden, Halsen, Beiliegen. Aber die meisten Manöver verhungern mangels Wind. Zur Stärkung - von uns, nicht vom Wind - serviert der Smutje eine Komposition aus Salami und Käse. Dazu ein gut gekühltes Kölsch - es ist nach
12.00 h!
Kurz vor Stavoren noch ein weiteres Manöver: wir lassen den Anker fallen auf 4,80 m Wassertiefe und nehmen nochmal ein kurzes Bad bevor wir duch die Schleuse in den Johan-Friso-Kanal einfahren. Um 17.30 h liegen wir wieder in unserem Heimathafen - die Runde ist komplett. Nun gilt es, die Mannschaft zum Deckschrubben zu animieren. Der Smutje verzaubert uns mit Pasta à la tonno. Dann wird es wieder spät, bis wir uns von unseren Erinnerungen aus der Schulzeit trennen können. Die Koje ruft.

Morgen früh geht es wieder zurück nach Hause.

Insgesamt haben wir 61 sm zurückgelegt.

Die Mannschaft bestätigt, es waren superschöne Tage. Wir hatten viel zu erzählen und haben uns köstlich amüsiert. Ich hoffe,  mein Versprechen eingelöst zu haben, den stressigen Alltag wenigstens für ein paar Stunden zu vergessen und einfach nur ans Segeln zu denken, ans Wasser, an die Sonne, ans gute Essen und Trinken, an nette Menschen, natürlich an unsere Frauen zu Hause, an das Gute in der Welt - kurz:

                                    AN ALL DAS, WAS WIR LIEBEN !


Ich freue mich auf viele weitere schöne Segeltage mit Euch!


Einen kurzen Film über unseren Törn seht ihr mit einem Klick hier:


Freitag, 23. Juni 2017

Texel mit dem Rentnerbike erkunden

17.6.2017  Samstag

Nachdem wir um 12.00 h in Warns angekommen sind, wird erstmal in Ruhe eine Tasse Kaffee getrunken. Dann legen wir ab und passieren die Schleuse raus aufs Ijsselmeer. Der Wind bläst aus NW. So erreichen wir mit einem Am-Wind-Kurs bei 2-3 bft. recht komfortabel Medemblik auf der gegenüberliegenden Seite - herrliches Segeln bei Sonnenschein. Die nächstenTage kann es so weitergehen.
Unser Ziel für diesen Urlaub ist die Nordseeinsel Texel. Wenn das Wetter hält was die Vorhersage verspricht, wollen wir uns dort Räder leihen und die Insel erkunden.

Um 16.30 h legen wir in Medemblik im Pekelharinghafen längsseits am Steg an. Beim Anlegerbier geniessen wir die Ruhe im Hafen. Ich habe aber auch noch etwas zu tun: die Schraubenlöcher des alten Kompass muß ich noch zuschmieren.
Das Abendessen wird im Sonnenschein im Cockpit serviert: Käsespätzle mit Salat. Dazu einen gut gekühlten Rosé aus dem Languedoc. Danach ein kleiner Spaziergang durch den nahegelegenen, sehr schön angelegten Park und den Mini-Zoo immer wieder lohnenswert.



18.6.2017 Sonntag

Blauer Himmel, kein Wind, spiegelglattes Ijsselmeer. Wir müssen bis zur Stevensluis in Den Oever zwei Stunden motoren. Der Autopilot nimmt mir das Steuern ab.Wir können im Cockpit relaxen, aber nicht ohne den Ausguck zu vergessen. An der großen Schleuse zum Wattenmeer sind die Tore bereits
offen, wir werden ohne Wartezeit geschleust. Auf der anderen Seite legen wir erstmal an und machen Mittagspause um in Ruhe etwas zu essen. Ausserdem steht die Tide noch gegen uns. Dann ist eh nur ein langsames Fortkommen Richtung Texel.
Nach einer Stunde fahren wir dann weiter durch das Wattfahrwasser Richtung Texel. Leider gibt es immer noch kein Wind - also weiter motoren. Wir folgen zwei holländischen Seglern. Sie nehmen zunächst Kurs auf die Abkürzung über den Bollen, drehen dann aber im letzten Moment ab und bleiben im Hauptfahrwasser Gat van der Stier. Das muß einen Grund haben. Wir folgen ihnen weiter - sicher ist sicher, obwohl Hochwasser ist. Weiter hinter uns ist noch ein Segler gefolgt, der jetzt ebenfalls die Abkürzung einschlägt. Mmmmh.... hätte ich vielleicht doch auch diesen Weg nehmen können? Aber wir folgen weiter dem Gat van der Stier. Kurze Zeit später beobachte ich durchs Fernglas, daß der andere Segler wieder abrupt umdreht und ebenfalls dem Hauptfahrwasser folgt. Also wohl doch alles richtig gemacht!
Um 16.30 h legen wir im Seglerhafen in Oudeschild an. Wir haben einen herrlichen Platz in der ersten Reihe. Hier ist die Sicht aus dem Cockpit etwas offener als mittendrin an den Stegen wo man nur den Mastenwald sieht. Hier wollen wir für die nächsten 4 Tage bleiben und die Insel per Fietses (Fahrrad) erkunden.


19.6.2017  Montag

Direkt am Hafen mieten wir uns für drei Tage Rentnerbikes, das sind Fahrräder mit eingebautem Rückenwind = E-Bikes! Die Sonne brennt vom Himmel und ein leichter Fahrtwind beim gemütlichen Radeln tut gut um die Ohren. Unser heutiges Ziel ist das Ecomare, die Seehund-Aufzuchtstation auf der anderen Seite der Insel. Hier gibt es nicht nur Seehunde, Robben und Schweinswale in ihren Becken zu sehen, sondern auch die kleinen, erst kürzlich gefundenen und wieder aufgepeppelten Heuler. Ausserdem gibt es eine interessante Ausstellung über die Lebewesen in der Nordsee. Ein rundum interessantes Gelände, wo man einige Zeit verbringen kann.
Vom Ecomare ist es nicht mehr weit zum breiten, weißen Sandstrand. Hier bleiben wir ca. 1 Stunde und genießen die gute Luft. Die dumpfe Geräuschkulisse der Wellen und des Windes lassen mich augenblicklich ins Reich der Träume gleiten. Nicht lange. Die Sonne treibt mich wieder hoch und schickt mich in die erfrischende Nordsee. Aber das Badevergnügen wird ein wenig getrübt. Sehr viele kleine Quallen schwimmen um meine Beine. Also wieder raus aus den Fluten.

Die Sonne und die Nordsee-Luft sorgen in der Nacht für einen tiefen Schlaf.

20.6.2017  Dienstag

Nach dem Frühstück starten wir mit unseren Rentnerbikes Richtung Ostspitze zum Leuchtturm Eierland. Nun lernen wir die Vorzüge der E-bikes kennen. Dank der Unterstützung aus dem Akku kommen wir auch gegen die 5-6 bft. aus Nordwest mühelos gegenan. Ohne diesen "Rückenwind" würden wir schon bald aufgeben und den Rückzug antreten. Aber so erreichen wir unser Ziel mit einigen Fotostops nach gut 1,5 Std. Eine Tasse Kaffee stärkt uns für den Rückweg. Nun haben wir auch den wahren Wind im Rücken und fahren mühelos einen wunderschön angelegten Radweg durch die Dünenlandschaft nach De Koog. Dieser Ort ist für den Ruhe liebenden Urlauber sicher nicht gemacht. Ein Restaurant reiht sich an das andere, nur unterbrochen durch 08/15 Schnellbistros und Souvenir-Shops. Dieser Ort hat seine Attraktivität sicher nur durch den nahe gelegenen Sandstrand. Und abends boxt hier sicher der Bär!
In einer Fischbude stärken wir uns mit Kibbeling und einem Matjes mit Zwiebeln im süßen Brötchen. Dann steigen wir wieder auf unsere E-Drahtesel und folgen den Wegweisern durch Texels Felder über den Hauptort Den Burgh zurück zum Hafen. Mit den letzten Tropfen "Wind" im Akku erreichen wir so gerade wieder die stromspendende Steckdose um unseren Eseln wieder "Energie" zu geben für den neuen Tag.


21.6.2017  Mittwoch

Heute starten wir zum Westteil der Insel. Zunächst fahren wir auf der Wasserseite des Deiches am Watt entlang zur Fähranlegestelle. Hier kommen die Urlauber mit großen Fähren im Halbstunden-Takt aus Den Helder an. Leider ist Texel nicht autofrei. Dadurch ist bestimmt in den Ferienmonaten Juli und August ein sehr reger Autoverkehr zu verzeichnen. Aber wie fast überall in Holland auf dem Land üblich sind für die "Fietses" separate Wege angelegt.


Wir folgen weiter den Wegweisern in den kleinen Ort Den Hoorn. Hier entdecken wir ein kleines gemütliches, sehr liebevoll innen und aussen dekoriertes Café "Inn de Knip".

Der Vorgarten ist schon mit vielen Blumen und allerlei Krimskrams geschmückt. Und beim Gang zur Toilette entdecken wir einen wahren Trödelladen. Als Snack probiere ich einen Toast mit warmen "Geitenkas" (Ziegenkäse) mit Honig - sehr sehr lecker!
Dann geht's weiter durch die Felder und Dünen zum Nordseestrand. Das Bad in der See erweist sich wie vorgestern wieder als Hindernislauf. Ich muß immer wieder den vielen Quallen ausweichen.
Eine Std. am Strand reicht uns wieder und so brechen wir auf nach de Burgh. Ulla muß mal wieder shoppen während ich ein Glas Wein am zentralen Punkt der Fußgängerzone genieße.  Hier gibt es viel zu sehen, es wird nicht langweilig.
Zurück am Hafen geben wir die Räder wieder ab. Es war schön, mit diesen Rentnerbikes unterwegs zu sein. Damit konnten wir unsere Ausflüge richtig genießen. Die Fahrten über die Insel regten alle Sinne an: in der Nase die Düfte von Wattenmeer, Felder, Blumen. Fürs Auge die Weite des Meeres und die abwechslungsreiche Landschaft, für die Ohren die vielen Vogelstimmen und das Rauschen des Meeres, die Salzluft auf der Zunge und Sonne und Wind für die Haut - einfach wunderschön!

Am Abend schlendern wir noch etwas durch den Stadt- und Fischerhafen. Hier haben bereits mehrere Windjammer festgemacht. Im nahen Den Helder findet ab Morgen bis Sonntag die DEN HELDER SAIL statt, ein Event zu dem viele holländische und ausländische Windjammer eingeladen sind.

22.6.2017  Donnerstag

Heute werden wir die schöne Insel Texel wieder verlassen. Der Wetterbericht kündet für heute Nachmittag 6 bft. an mit Gewitter. Da wollen wir vorher noch das Ijsselmeer wieder erreichen. Um 13.15 h ist in Oudeschild Ebbe, d.h. mit dem dann einsetzenden Flutstrom können wir ruckzuck die Schleuse in Den Oever erreichen.
Am Vormittag bereiten wir gemütlich das Schiff vor. Als ich um 11.30 h nochmal das Wetter checke und das Wetterradar aufrufe zieht bereits eine Gewitterfront von Westen heran. Das wird mir zu ungemütlich. Wir legen bereits um 12.00 h ab, auch wenn wir noch gut eine Stunde die Ebbströmung gegen uns haben. Um nicht auf eine Untiefe aufzulaufen, fahren wir aus dem Texelstrom einen großen Bogen ins Gat van der Stier. So können wir auch noch sieben auf Reede liegende Windjammer aus der Nähe sehen. Diese werden dann sicher später nacheinander in den Hafen von Den Helder einlaufen. Leider macht das Wellenbild Wind gegen Strömung ein Filmen unmöglich.

Unterwegs kippt dann der entgegenkommende Ebbstrom um in den mitlaufenden Flutstrom. Das gibt uns zusätzlichen Speed, der Plotter zeigt eine Geschwindigkeit von 8,4 kn über Grund während die Logge 6,1 kn durchs Wasser angibt. Der Flutstrom schiebt uns also mit 2,3 kn der Schleuse entgegen. Hier müssen wir 20 Minuten warten bis sich Brücke und Schleuse öffnen. Ein Binnenschiff, ein großes Plattbodenschiff und 7 Segelyachten passen in die Schleusenkammer. Nach dem Schleusenvorgang verlassen wir schleunigst die Kammer, um den nahen Hafen in Den Oever zu erreichen. Es hat bereits angefangen zu regnen und ein erstes Donnergrollen ist auch schon zu hören. Gerade als wir fest sind kracht es gewaltig über uns doch das Gewitter zieht schnell über uns hinweg. Zwei Stunden können wir nun noch relaxen und freuen uns auf ein leckeres Essen beim "Dikken Bries".

23.6.2017  Freitag

Der Wetterbericht kündigt für Morgen, Samstag, den ganzen Tag Regen an. Also ziehen wir es vor, bereits heute Richtung Heimathafen Warns zu segeln, um dann morgen nach Hause zu fahren. Dort soll das Wetter fürs Wochenende schöner sein.
Wir verlassen den Hafen Den Oever und setzen sofort die Genua.  Der Himmel ist bedeckt und sieht nicht sehr freundlich aus. Je näher wir Stavoren kommen, umso mehr legt der Wind zu. Bei achterlichem Wind erreichen wir bereits nach zwei Stunden die Schleuse Stavoren. Nachdem die Schleuse ohne Aufenthalt passiert ist, setzen wir für das letzte Stück durch den Johan-Friso-Kanal nochmal die Genua. Den Nachmittag nutze ich, um die Sprayhood zu reinigen und neu zu imprägnieren. Ob es hilft....? Wir werden sehen! Der Windanzeiger zeigt jetzt 28-30 kn Wind an. Uns kümmert es nicht mehr - wir liegen fest im geschützten Hafen.

Insgesamt haben wir 77 sm zurückgelegt, davon 8,1 h unter Motor.

Es war eine rundum schöne und gelungene Woche. Das haben wir nicht nur dem traumhaften Wetter zu verdanken, sondern auch er schönen Insel Texel und natürlich - nicht zu vergessen - den erholsamen Rentnerbikes.


Den Film zu unserem Törn seht ihr hier:



Montag, 29. Mai 2017

Zwei ahle Männer auf Tour

Fünf Tage gehe ich mit Mischa auf Törn. Der Plan: zuerst nach Hindeloopen, dann nach Enkhuizen. Von dort rüber nach Urk und weiter über Lemmer durch die Kanäle zurück wieder nach Warns.

7.5.2017  - Sonntag

Nachdem wir in Warns das Schiff bezogen und fertig für den ersten Schlag gemacht haben legen wir auch schon ab. Um 13.30 h passieren wir die Schleuse zum Ijsselmeer. Der Wind kommt wie vorhergesagt aus NW - N, das heisst für unser Ziel einen Kreuzkurs hoch am Wind. Im Laufe des Nachmittags brist es mehr und mehr auf. Ich rolle die Genua ein wenig ein, da die Krängung zu groß wird. Unser Ziel Hindeloopen gebe ich auf, da der Wind dort geradewegs in die Hafeneinfahrt weht und vor allem auch am nächsten Morgen noch wehen soll. Je nach Windstärke kann es dann schwer oder risikoreich werden, aus dem Hafen wieder rauszukommen. Aber auf dem Ijsselmmer ist es nicht schwer eine nahe Alternative zu finden - in diesem Fall Workum. Wir legen vor der Schleuse an. Es ist wenig los so früh in der Saison. Um 17.00 h sitzen wir im Cockpit windgeschützt in der Sonne. Mischa hat zum Einstand eine gute Flasche Sherry mitgebracht. Er - der Sherry, nicht der Mischa - wird geköpft und getrunken.
Schon bald wird es Zeit, das Essen vorzubereiten. Heute gibt es Gyros mit Tzaziki und Krautsalat. Alles kommt aus unserem örtlichen Feinkostladen mit den vier Buchstaben. Es ist schnell zubereitet und immer lecker.
Am Abend machen wir einen Spaziergang zum Strand von Workum. Unterwegs sehen wir auf der Wiese hunderte von Gänsen - ein tolles Bild. Am Strand nutzen einige Kitesurfer den starken auflandigen Wind und drehen ihre Pirouetten in der Luft.
Zurück auf dem Schiff gibt es noch ein gutes Glas Wein, den aktuellen Wetterbericht vom "Royal Meteorologischen Institut"  und dann ab in die Koje.

8.5.2017  - Montag


Um 10.00 h legen wir ab und den kurzen Weg bis raus aufs Ijsselmeer unter Motor. Hier setzen wir die Genua und nehmen zunächst Kurs 220°. Unser heutiges Ziel: Enkhuizen. Der gestrige Wetterbericht hatte Recht: es ist stark bewölkt, aber trocken und es weht sehr kalt mit 5-6 bft aus Nord. Da der Wind uns aber mehr oder weniger von achtern schiebt, kann man es aushalten. Um 12.00 h halsen wir auf Kurs 150°. So kreuzen und geigen wir vor dem Wind. Kurz vor dem Ziel funktionierte bei einem Crewmitglied die Koordination von Augen und Gleichgewichtsorgan nicht mehr optimal und es wurde sehr intensiv in das mehr oder weniger klare Wasser des Ijsselmeeres geschaut. Um 14.00 h erreichen wir aber wohlbehalten Enkhuizen. Kaum angelegt zeigt sich die Sonne. So können wir windgeschützt im Cockpit die warmen Strahlen genießen. Beim anschließenden Spaziergang durch Enkhuizen schauen wir beim Marine-Shop vorbei, ob es hier evtl. einen Ersatz für meinen ausgelaufenen Kompass in der Steuersäule gibt. Ich werde fündig, bin jedoch nicht sicher, ob der Ausschnitt in der Säule groß genug ist, um den neuen Kompass aufzunehmen. Ich muß erst nochmal genau messen, bevor ich hier zuschlage. Ausserdem möchte ich im Internet checken, ob der angebotene Preis den Anbietern in Deutschland standhalten kann. Kann er nicht! Ich bekomme das gleiche Produkt im Versand € 40,-- günstiger. Ja, ja, ich weiß - so machen wir den Einzelhandel kaputt. Aber € 40,-- Differenz sind mir dann doch ein bisschen viel. (Das gleiche Modell konnte ich dann in Ruhe zu Hause noch einmal 30 Euronen günstiger bestellen.) Aber nun weiß ich, daß das Modell in den vorhandenen Ausschnitt paßt.
Zum Abendessen brate ich Maultaschen mit Zwiebeln und Ei in der Pfanne an.
Beim Abendspaziergang versuchen wir noch einige schöne Winkel in Enkhuizen auf Zelluloid  - ach nein, das gibt's ja nicht mehr! - auf den Chip zu bannen.

9.5.2017 - Dienstag

Heute Morgen um 8.00 h sind es draußen  6°Cel. - brrrrrrrrrr! Aber die Sonne scheint! Um 9.00  h legen wir schon ab mit Kurs auf die Ostseite des Ijsselmeeres - nach Urk. Der Wind weht weiterhin aus Nord, jedoch nur mit 8 - 10 kn. Bei halbem bis raumen Wind kommen wir zunächst recht zügig voran. Je näher wir jedoch unserem Ziel kommen, umso mehr läßt der Wind nach. Bei 5 kn achterlichem Wind kommen wir nur noch mit 2 kn Speed voran. Das nutze ich und turne an Deck rum, um einige neue Kameraeinstellungen zu probieren während Mischa das Schiff auf Kurs hält.
Es zeigen sich auch schon die ersten Fliegen auf dem Schiff, und das bei der Kälte. Die Viecher werden wohl auch immer resistenter! Sonst traten sie nur im Sommer bei warmen Temperaturen auf.
Um 12.30 h legen wir an der Hauptkade in Urk an. Hier bietet die Häuserzeile guten Schutz vor dem kalten Nordwind. Nach einem kleinen Mittagssnack machen wir erstmal Siesta bevor wir zur Putz- und Flickstunde läuten. Micha nimmt sich der Sprayhood an und näht den Rand nach, ich versuche, die Fliegenleichen von Deck zu entfernen. Zur Verstärkung der Verbindung setze ich noch ein Takeling an der Endlosleine des Rollgroßes.
Abends gibt es Peter's Bratkartoffeln mit frischen nieuwe Haring (neue Matjes) mit Uie (Zwiebeln) und Gurkensalat. Ein Spaziergang rund um den Hafen und durch den idyllischen Ort zum Leuchtturm runden den kalten, aber herrlichen Tag ab. Zurück an Bord gibt es einen "kölschen Abend". Wir trinken KÖLSCH, hören und singen kölsche Lieder. Naja, ein professionelles Duett wird wohl nicht daraus. Aber einen Polizeieinsatz gibt es auch nicht! Unsere Stimmen sind wohl sehr verhalten. Es stört niemanden.

10.5.2017 - Mittwoch

Heute ist Sonntag. Nein, nicht wirklich. Aber auf der MILES & MORE. Warum? Zum Frühstück gibt es Rührei mit Zwiebeln, Speck und frischen Hollandse Garnalen (Nordeekrabben) auf Schwarzbrot. Na, das ist doch ein Sonntagsfrühstück! So sind wir gut gestärkt und bereit, uns neuen Herausforderungen zu stellen. Mal sehen, wie wir heute gefordert werden. Bisher hielten sich die Anforderungen ja noch in Grenzen. Wir sind sozusagen im STRESSLESS-Boot unterwegs. Um 9.30 h legen wir bei bedecktem Himmel ab und setzen Groß und Genua kurz nachdem wir den Hafen verlassen haben. Der Wind weht mit 3 bft aus NW. So können wir anfangs noch hoch am Wind parallel zum Windpark segeln. Je näher wir aber zur Ecke Rotterdamse Hoek kommen, umso mehr läßt der Wind nach und wir müssen unseren Jockel (Motor) um Hilfe bitten. Leider wird mein Wunsch, in der Lemmerbucht bei raumen Wind wieder segeln zu können nicht erfüllt. Stattdessen sucht uns eine neue Invasion von Fliegen heim und besetzen Deck, Heckspiegel und die ausgerollte Genua. Unglaublich bei dieser Witterung!
Um nach Lemmer reinzukommen nutzen wir die alte kleine Schleuse. Sie ist schöner, kleiner und für uns Freizeitskipper wesentlich einfacher zu passieren als die große Berufsschleuse zum Princess-Margriet-Kanal. Kaum liegen wir um 13.30 h in Lemmer am Stadtkai hat sich die Sonne wieder durchgeboxt. So haben wir es doch gerne. Bevor wir jedoch wieder ans Genießen denken, ruft die Pflicht. Das Deck muß gründlich geschrubbt und von den Fliegen befreit werden. Dann kommt der gemütliche Teil des Nachmittags: zum Kaffee gibt's ein lecker Stück Kuchen vom Beimer's. So läßt es sich aushalten! Was sage ich dazu? "Herr Doktor, ich spüre Linderung!"
Den anschließenden Spaziergang am Strand entlang kombinieren wir mit anschließendem Abendessen im Beachclub. Von einer großen Portion Spare-Ribs und frischem Bier vom Faß lassen wir uns gerne verwöhnen.
Zurück an Bord wird die Foto- und Filmausbeute des Tages begutachtet, dann geht's ab in die Koje.

11.5.2017  - Donnerstag

Mit der ersten Öffnung der Brücken verlassen wir um 9.00 h Lemmer über die Kanäle Richtung Heimathafen. Der Wind aus NE gestattet uns ein ruhiges Segeln nur mit der Genua. Nur für das Passieren der Brücken in Sloten und Woudsend müssen wir die Genua einrollen und den Motor kurz starten. Auf dem Heeger Meer und Fluessen segeln wir gemütlich Richtung Warns. Während Mischa steuert, demontiere ich unterwegs eine Relingsstütze. Sie hat zu Anfang der Saison ein wenig "ihre Form verloren" und muß wieder gerade gebogen werden. Dazu nehme ich sie mit nach Hause und übergebe sie dort vertrauensvoll dem Nachbarn, der sie wieder richten wird. Man muß nicht alles können. Hauptsache man kennt jemand, der es kann! Bei stahlend blauem Himmel fahren wir wieder in die Box an der Pyramide. Es wird Zeit, daß wir nach Hause kommen. Für den Nachmittag und Abend wurden aus Südwesten wieder heranziehende Regenfälle angesagt.

Wir hatten auf alle Fälle 5 herrliche Segeltage.

 Und hier der Film zum Text: